Dienstag, 19. Oktober 2010

Trip nach Kibuye an den Kivusee

Ich brauchte mal eine Auszeit aus dem stressigen Großstadtleben und habe deshalb einen Bus in die ruhige Hafenstadt am Kivusee genommen. Die Hinfahrt war allerdings alles andere als ruhig. Der Busfahrer hatte die ganzen 2,5 Stunden Fahrt eine Hand am Handy, eine am Lenker und zwei Füße auf dem Gaspedal. Da es außerdem durch enge Serpentinen ging, fingen bald die ersten Leute an zu erbrechen. Eigentlich nicht schlimm, bis sich einer in der falschen Kurve aus dem Fenster übergab und die Fahrgäste, die an den offenen Fenstern hinter ihm saßen, empört aufschreien ließ. Soviel zur Fahrt.





Blick von meinem Haus aus (Kigali/Nyabugogo)
 Hier ein paar Bilder aus Kibuye

Aussicht aus meinem Zimmer
Aussicht von der Terasse :-)
Papaya-Baum






Kibuye hat der Völkermord besonders hart getroffen

Ein Genozid memorial 
Hier wurden an einem Tag 10000 Tutsis ermordet
Man kann noch Narben in den Wänden erkennen, die von Handgranaten stammen


verlassene Häuser und Ruinen zeugen von dem Rwanda-Kongo Krieg bzw. Genozid
Im Hintergrund sind die Berge im Kongo zu erkennen








Hoffnung der Region: Methangas-Gewinnung



Mittwoch, 13. Oktober 2010

Hallo allerseits,

da ich gerade keine Lust habe den nächsten Proposal zu korrigieren und von all den Aktivitäten zu lesen, bei denen ich so gerne mitarbeiten würde (workshops/seminare über small income generating projects, human, minority and woman rights, bicycle micro credits,... ), bringe ich meinen Blog mal wieder auf den neusten Stand.

Also, fangen wir mit dem Kinyarwanda-Thema an:

Nachdem unser erster Lehrer ein ziemlicher Reinfall war, haben wir ziemlich schnell den nächsten Anwärter aufgetrieben. Er ist der ehemalige Englisch-Lehrer einer Bekannten gewesen, unterrichtet in einer secondary school  und kam pünktlich zur Probestunde in die dreier-WG der anderen Freiwilligen. Weil die DED- und Jumelage-Freiwilligen, die beim ersten Versuch dabei waren, erstens ziemlich abgeschottet in einem Reichenviertel leben, wo jeder Englisch oder Französisch spricht und zweitens den Sprachkurs nicht bezahlt bekommen, waren wir nur zu Viert. Naja die Probestunde war zimelich gut, auch wenn wir zunächst nur Begrüßungsformeln ausgetauscht haben, die wir schon kannten. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen zweimal die Woche zwei Stunden Unterricht zu nhemen. Wir haben es nicht bereut.

Der Lehrer, ein praktizierender Muslim (nach dem Unterricht kniet er sich hin und betet gen Mekka), schafft es uns sowohl die schwierige Aussprache und die in sich ziemlich logische und von Außnahmen verschonte Grammatik beizubringen. Kinyarwanda ist eine ziemliche verrückte Sprache. Es fängt damit an, dass aufeinander folgende Vokale verschluckt werden und so zwei Wörter oder auch mal ein ganzer Satz zu einem unverständlichem Einheitsbrei werden. Desweiteren bedeutet das Wort "ejo" gleichzeitig "morgen" und "gestern". Die Bedeutung wird erst mit der Konjugation des Verbs klarer. Namen von Vierteln o.ä. tragen in ihren Namen sehr oft eine Bedeutung. Da gibt es das Viertel der Leichen, was früher der Friedhof war, das sündige Viertel oder das Viertel mit den auf den Bäumen hockenden Vögeln (ist jetzt der Hauptbusbahnhof, wo kein Grashalm mehr wächst). "Umudage" heißt normalerweise "Deutsch", kann aber auf der Straße auch mal bedeuten "a person that doesn't know anything". Entsprechend "Chinese": "a person that doesn't have anything". Russe: "geiziger Typ mit Geld". In Stereotypen wird hier halt gerne gedacht...
Allgemein ist es ein wenig anstrengend jeden Tag zwischen 4 Sprachen hin und her zu wechseln. Beim Kinyarwanda münden die ersten Gesprächsversuche oftmals noch in Gelächter, da nach den ersten Floskeln, einem ein Schwall unverständlichen Etwas entgegenschlägt. Meinem Nachbarn gebe ich zur Zeit ein wenig Englischunterricht. OBwohl er doppelt so alt ist wie ich, ist er einer meiner besten Rwanda-Freunde. Wir laden uns gegenseitig oft zum Essen ein. Er bringt mir alles mögliche vom Land mit, wo seine Familie lebt und hat mich auch schon nach dorthin eingeladen.


Natürlcih gibt es noch viel mehr zu berichten, aber ich wollte erstmal das Thema Sprachen abhaken.

In der nächsten Folge geht es um das Oktoberfest, Gitarrenbauer, Kneipenbekanntschaften, Mentalität, Busfahren, Klamotten, mein Bad, Fahrräder, Proposalschreiben, usw.

Bis dahin,

Gruß,

MArtin

Sonntag, 3. Oktober 2010

ehemalige Freiwillige und befreundete Familie

Kind in leer stehender Villa

Marktstadt auf Kigalis riesigem Früchte/Gemüsemarkt

mein Viertel, man achte auf den Mann der die Matratzen trägt (leider etwas verdeckt)

Donnerstag, 30. September 2010

Die Tage vergehen im Flug

Hi,

ich sitze in einem der zahlreichen Internetcafees von Kigali und sehe, dass mein letzter Bericht schon 10 Tage her ist. Was ist seit dem passiert? Naja ich habe sehr viele Leute getroffen und mich mit einigen wenigen angefreundet. Ich habe meine erste stärkere Erkrankung hinter mir, es hatte irgendwie mit schlechtem Essen zu tun und mein Magen war danach beleidigt. Ich habe zwei Kinyarwanda-Unterrichtsstunden mit 7 anderen Freiwilligen absolviert - der Lehrer ist aber bestenfalls Mittelmaß. Er hatte nicht mal einen Stift dabei und verlangte ein für hiesige Verhältnisse hohes Honorar. Die Regenzeit sollte schon da sein, hat sich aber erst zweimal -dafür heftig mit riesigen Hagelkörnern (Viele haben gerufen: "Es schneit")- gezeigt und so scheint die Sonne immernoch erbarmungslos senkrecht vom Himmel herunter. Dank der hohen Anzahl von Freiwilligen in Ostafrika, gibt es eine Art Netzwerk, das unter anderem Schlafplätze in fremden Städten bereithält (Couchsurfing). So hatten wir viel Besuch aus Jinja, Kampala (Uganda) und auch aus Tansania. Ab morgen müssen alle Freiwilligen meiner Organisation Quittungen von allen lebenswichtigen Ausgaben sammeln, um dann am Ende des Monats festzustellen, wieviel wir zum Überleben benötigen. Die Summe bekommen wir dann jeden Monat pauschal in Euro überwiesen. Wir hoffen auf eine Wertsteigerung des Rwandischen Francs. Meine "Arbeit" gleicht bis jetzt einer Fata Morgana, aber ich durfte immerhin mal zwei Tage an einem Proposal (Antrag auf Spendengeld, in dem Fall vom US-Congress) schreiben und basteln bis er in einigermaßen verständlichen Englisch und ohne Rechenfehler und sonstigen größeren Makeln seinen Weg per Email fand. Es ging immerhin um 50000 Dollar. Das Projekt selbst soll die Rechte der kleinen (im wahrsten Sinne des Wortes) Minderheit in Ruanda stärken.
Die Leute aus besser situierten Gegenden/Familien zeigen sich immer noch ungläubig und fassungslos, dass ich mit 19 Jahren Freiwillig nach Ruanda gehe und dann auch noch freiwillig in einem "Slumviertel" lebe. Diese Menschen waren meist schon in Europa und haben öfters starke Vorurteile gegenüber ihrem eigenem Land und seinen Leuten. Menschen aus ländlicheren Gegenden sind dann schon mal "animals". Sehr interessant war auch die Analyse gesellschaftlicher Probleme, dessen Grund darin bestehen soll, dass jeder, der die Schule besucht, Manager werden möchte und es deshalb nicht genug Leute gibt, die selbst Hand anlegen möchten. Der Typ der das erzählte war Manager. Ich will das aber nicht verallgemeinern, da es sicher auch Gegenbeispiele gibt. Die Villenviertel hier in Ruanda werden oftmals von Hilfsorganisationen wie USaid oder UN-Unterorganisationen besetzt. Das Ausmaß der Entwicklungshilfe in Ruanda wird erkenntlich, wenn man einen Blick auf den Staatshaushalt wirft. Ein Anteil von 49,5 % sind reine Entwicklungsgelder - weltweit spitze. So lässt sich auch erklären, wie hier eine Art Walmart mit europäischen Artikeln, wie Nutella, Haribo, Knorr, etc. finanziell rentabel geführt werden kann. Die Hälfte der Besucher sind weiß. Komisch auch, dass zwar die Stadt Kigali mit immer neuen Wachstumsrekorden boomt, die ländlichen areas davon aber nichts mitbekommen - außer sie befinden sich in touristisch-interessanten Gegenden. Naja soviel zu meinen ersten eindrücken zur Situation im Land. Nach einiger Zeit kann ich sicher fundierter davon berichten.
Mir selbst ging es, bis auf kleine gesundheitliche Probleme, nie besser. Es entwickelt sich langsam ein gewisser Alltagstrott, der aber trotzdem angenehm ist. Mein Chef hat mir versprochen, dass wir alle 3 großen Projekte, die im ganzen Land verteilt sind, besuchen werden, wenn er von der Fahrradkonferrenz zurückkehrt.
DAnach melde ich mich wieder,

Gruß,

Martin

Montag, 20. September 2010

Bilder Gegensätze

andere Freiwillige und Chef

Einbaum

Reich und Arm

Größtes GEbäude Kigalis, in Bau

SChöne und weniger schöne Erfahrungen

Gestern bin ich mit einem Motortaxis nach Hause gefahren und wir sind an einem Unfall vorbeigekommen, bei dem ein Motortaxi und ein Auto frontal zusammengestoßen sind. Die Sicherheitsstandards und die Fahrweise der Motortaxis enden leider manchmal in tödlichen Unfällen. So ein Bild von leblosen Körpern auf der Straße brennt sich in jedes Gedächtnis ein. Ich will meiner Familie hiermit keinen Schrecken einjagen, aber ich finde es wichtig auch von solchen Ereignissen zu schreiben. Genauso kann ich mich immer noch nicht an die Menschen gewöhnen, die während des Genozids Gliedmaßen verloren haben.
Seltsam finde ich es, dass zwar die Ethnientrennung zwischen Hutus und Tutsis streng verboten ist, andererseits jeder Weiße mit mzungu und jeder Mischling mit kizungu, mal freundlich, mal weniger freundlich angesprochen oder eher angerufen wird. Unter Freiwilligen wird auch nur noch von H´s und T´s gesprochen, um der häufigsten Anklage in Ruanda, Rassentrennung, zu entgehen.
Als ich in einem Minibustaxi mein Handy vergessen hatte, wurde ich dagegen extrem von der Aufrichtigkeit der Fahrer überrascht. Ich hab mein Handy angerufen, und der Busfahrer ist umgekehrt und hat mir das Handy zurückgebracht. Keinesfalls eine Selbstverständlichkeit, bei der Armut, die hier teilweise herrscht.